Ein Gesamtwerk zur Wiederentdeckung
Über dreißig Jahre ist es inzwischen her, dass - bei einer Schaffenszeit von nur knapp 20 Jahren - ein Gesamtwerk entstand, das bis heute in der Geschichte der Fotografie und Fotokunst eine Ausnahme blieb. Die Rede ist von Jan Wenzel, Jahrgang 1972, dessen Werk einzigartig ist. Das Wort 'einzigartig' ist im Wortsinn gebraucht. Zumal es sich bei seinem Gesamtwerk ohnehin stets um Unikate handelt, die konspirativ im Photomaton zur Welt kamen, um mit dem Künstler auf der Spurensuche nach der verlorenen Zeit den Zeitsinn selbst im synchronen Bildraum zu vereiteln. Seine Werke sollten als kristalline Monaden - als Zeitkapseln - überdauern. Dreißig Jahre Abstand haben jetzt den Markt sondiert. Soweit bildet und bietet diese aktuell wie weiland luzide Wenzel-Schau seltene Einblicke in den Abgrund einer ebenso persönlichen wie politischen Zeitenwende - und in das rare Schaffen eines absoluten Ausnahme-Talents, das in der Fotokunst fraglos ohne Vergleich dasteht. Auch das Wort 'absolut' ist da im Wortsinn gemeint. Allenfalls lassen sich ikonographisch Parallelen - etwa zur Malerei eines Neo Rauch oder Matthias Weischer - ziehen. Die damals in einer frühen Werkschau im Jahr 1998 für einmal kurz vereinten Werke - die 12 Sternzeichen als Allegorien - sind auf dem Sekundärmarkt längst heiß begehrt. Nun ist das Dutzend, fast, vollständig zur Wiederentdeckung versammelt. Zwei Frühwerke aus dem Jahr 1992 und 1993 runden das meisterliche Kabinett ab. Die 13 Kleinformate sind sich zusammen selbst genug. In sich schlüssig stellen sie Solitäre dar. Daß es Meisterwerke sind, versteht sich dabei fast von selbst. [Termine zum Besuch der Kabinett-Ausstellung jederzeit und nach Vereinbarung.]
Text: Klaus Kleinschmidt