A Century - Congratulations: Karl Hugo Schmölz [1917-1986]

Unter dem Label 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' traten Vater Hugo (1879-1938) und Sohn Karl Hugo (1917-1986) 
zusam-men auf:

Die Arbeiten der 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' nehmen in der deutschen Architekturfotografie, zumal in der des Rheinlandes, eine herausragende Stellung ein. Hier haben nicht nur gleich zwei Generationen einer Familie Fotogeschichte geschrieben. Vielmehr handelt es sich bei den Werken unter dem Label 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' sogar um einen der zentralen Bildbestände einer Kölner Fotografen-Dynastie, die seit den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts bis in die fünfziger und sechziger Jahre der Nachkriegszeit stilbildend wirkt. Der Einfluß des Schmölz-Werkes auf spätere Architektur-Fotografen wie Hiroshi Sugimoto bis hin zu Candida Höfer ist enorm und wird kaum überschätzt.

In einer streng am Geist der Neuen Sachlichkeit orientierten Bildauffassung haben Vater, Sohn und Assistenten Gebäude namhafter Architekturen, mitten im Bauprozess oder nach Rohbau oder kurz nach Fertigstellung und Einrichtung der Innenräume erfaßt. Amtsbauten, Brücken, Kirchen, Lichtspielstätten, Privathäuser und Schulen wurden selten je präziser dokumentiert. In 
der über zwei Generationen geführten 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' haben Vater und Sohn Aufträge für die Industrie umgesetzt und dabei minutiös Sachaufnahmen und Werbeaufnahmen gefertigt, die in Bildaufbau und Komposition bis heute ihresgleichen suchen. Dort haben Dutzende angehender Fotografen als Assistenten gelernt. Sonders das Werk der Kölner Fotografin Candida Höfer wäre ohne den Maßstab und die Vorarbeit der 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' kaum überhaupt denkbar. Im 'Fotostudio Schmölz/Huth' hatte die Höfer einst ihre Lehre absolviert.

Schmölz-Werke verfügen über einen meist komplex struktu-rierten Raumaufbau und bestechen durch ihre Lichtwieder-gabe. Vintage-Prints der 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' zeichnen sich durch extreme technische Perfektion, sorgfältigste Lichtgestaltung und eine dynamische Raum-struktur aus. Das natürliche oder künstliche Licht bildet oftmals Ideallinien der Perspektive aus. Der optimale Abzug war nur durch intensive Laborarbeit zu erreichen. Die Gelatinesilberabzüge auf Barytpapier sind überwiegend detailreiche Kontaktabzüge vom Glasnegativ im Format von 18 x 24 cm. Mit ihrem Werk bilden Vater und Sohn Schmölz eine Linie im Neuen Sehen der Frühen Moderne, die mit dem Werk des Karl Hugo bis weit in die Zweite Moderne hinein- und da auch wieder herausragt. Mit Max Baur und Werner Mantz definieren die beiden "Schmölze" einen Begriff von Architektur-Fotografie, der in dieser Qualität bis heute uner-reicht Maßstab blieb.

In der Ausstellung bei Kleinschmidt Fine Photographs sind heuer zwanzig der Meisterwerke aus der 'Fotowerkstätte Hugo Schmölz' zu sehen. Diese wurden von der Galerie - oft mühsam Stück für Stück - mit hohem Aufwand erworben und zusammen getragen. In der Schau werden rare Handabzüge aus der Zeit in höchster Vintage-Qualität gezeigt. War die erste Ausstellung dem Schaffen von Vater und Sohn gewidmet, so wirft diese Werkschau nun den Fokus auf das Werk des Sohnes, der damit das Missing Link zwischen Früher Moderne als Bauhausära oder Neue Sachlichkeit und Später Moderne - der so genannten Zweiten Moderne - der Nachkriegszeit bildet. Die Ausstellung zeigt Architekturen als Vintage Blätter.

Text: Klaus Kleinschmidt