Werner Mantz - kongenial: das Neue Bauen im Fokus des Neuen Sehens

Werner Mantz ist einer der weltweit bedeutenden Fotografen der frühen Moderne. Im Jahr 1901 in Köln geboren, macht er 1915, noch im Jugendalter, Aufnahmen von seiner Heimatstadt und ihrer Umgebung. Im Jahr 1918 entstehen Aufnahmen vom Einmarsch der Besatzertruppen. In den Jahren 1920-1921 widmet er sich dem Studium an der Bayerischen Lehr- und Versuchsanstalt in München. Seine Dozenten sind die Professoren Spoerl und Lähnemann. 1921 eröffnet er sein erstes Atelier in Köln. Seinen Durchbruch feiert der begnadete Fotograf im Jahr 1926, als er eine Fotoserie über den Frisörsalon Pickenhahn fertigt. In den Jahren 1927 bis 1932 folgen Publikationen seiner akribisch komponierten Lichtbilder in mehreren Zeitschriften. Ebenso sorgfältig werden von ihm im Labor die bromtonig gefärben Abzüge erstellt. Seine Handabzüge liefert er in seltener Einmütigkeit und mit höchster Präzision über zwei Jahrzehnte im unverkennbaren 'Mantz-Format' als Miniaturen von meist etwa 16 x 23 cm. Die Lichtführung dieser heute begehrten Blätter im Kleinformat ist nuanciert. Werner Mantz ist in seinem Berufsstand damals so etwas wie der König der Lichtbildner im Metier der Architektur-Fotografie. Der Purist beteiligt sich 1930 an der Ausstellung 'Gezeichnet oder geknipst' sowie an der Ausstellung der Vereinigung Kölner Fotografen. Im Jahr 1931 folgt die Teilnahme am 'Salon International d’Art Photographique de Bruxelles'. Sein zweites Atelier eröffnet Werner Mantz 1932 in Maastricht. Im Jahr 1938 verläßt er Köln. Das Bonner Landesmuseum zeigt im Jahr 1978 die erste Retropektive seiner Werke. Das Museum Ludwig Köln zieht 1982 und sodann im Jahr 2000 nach.

GETTY und MOMA folgen später - das TATE MODERN mit nur Later-Prints. Werner Mantz stirbt 1983 in Eijsden in den Niederlanden. Seine sonders an den Bauwerken der Moderne geschulten Architekturstudien gehören zu den Meisterwerken der Lichtbildkunst und künden von sublimer Lichtregie. Die in der Ausstellung gezeigten Fotografien sind Pretiosen von selten hoher Qualität - in den Details der Komposition wie in der Zeichnung der Kontraste. Sie zeigen die ganze Bandbreite der Meisterschaft dieses in seiner Bedeutung singulären Fotografen der Neuen Sachlichkeit. Die Baukörper waren es, die sich dem Fotografen Werner Mantz darboten: In der Jugend das alte Köln und wenig später die kühne moderne Architektur seiner Heimatstadt und jene rund um Maastricht. 'Seine' Baukörper sollen, und das beginnt unmittelbar während der Zusammenarbeit mit Architekten, auf den Fotografien ihr Eigenleben führen. Architekturen werden so zum Fanal. Dabei sind die Bilder der gebauten Moderne von Werner Mantz geschaffen für die ֖ffentlichkeit. Doch sie bleiben stets geheimnisvoll - wie etwa die vibrierend überscharfen Hauskanten jener Wohnsiedlung in Kalkerfeld von Wilhelm Riphahn oder die leuchtenden Fassaden der von Hans Heinz Lüttgen gebauten Villa in Elbereld 1927. Der am Ort des Geschehens und in der Dunkelkammer zaubernde Fotograf läßt den Bauten Raum. Und er führt vor, daߟ wir nicht alles verstehen müssen: Der Heizraum einer Schule etwa hüllt sich fömlich in Schweigen. Seine innere Funktion entzieht sich dem Betrachter. Und obgleich darin seine vier Heizöfen die Objektivität nur so abstrahlen, uns also fast nüchtern in Prosa auf Papier anstarren, ahnen und bangen wir nunmehr um die Seele der monströs mutenden Turbinen, die wir zwar sehen können, wiewohl uns das Innenleben dieser Maschinen, wie sooft in der Fotografie der Neuen Sachlichkeit, seltsam verborgen bleibt.

Im Inneren eines Gebäudes etwa flutet, durch Fenster gefiltert, Naturlicht dem Betrachter entgegen und trotzt der Enge des Hausflurs. So verzichtet Werner Mantz bei der Aufnahme des Treppenhauses der Villa von Twickel auf Kunstlicht - eine an die Filmkulissen der Stummfilmzeit mahnende Symbolik. Ein Klosett gar, die Bodenfliesen reizvoll als Schachbrett gemustert, gerät in leichte Untersicht bis auf Augenhöhe der Klobrille - was für eine Ironie: die Papierrolle thront über allem - und wird damit zur Bühne. Der Fotograf hat den Formwillen der Architekten subtil erfaßt, er hat einfach nochmal gebaut, den expressiven Ton, die Sachlichkeit, die reizvolle Hülle, die Seele der Moderne. Die Architekten lieߟen ihn dafür freimütig gestalten, denn sie ahnten, daߟ er ihre Bauten idealer 'bauen' konnte - zudem entwurfnah und modellhaft, da immer auf Papier. Die Ausstellung bei Kleinschmidt Fine Photographs zeigt Originale in einer Qualität, die mit den Ikonen aufwartet und herausragt. Zu sehen sind wertvolle, höchst museale Vintage Abzüge aus der Zeit, die nach ihrer Bedeutung zu schätzen sind. Wir staunen: das Neue Bauen der 20er im Fokus des Neuen Sehens.

Text: Klaus Kleinschmidt