Walter Hege
Walter Hege, geboren 1893 in Naumburg, gestorben in 1955 Weimar, wurde weltweit bekannt durch seine
legendären Architekturfotografien der deutschen Dome von Bamberg, Speyer, Naumburg und Worms.
Gotische Bauten im strengen Stil von Bauhaus und Neuer Sachlichkeit fotografiert – das war sein Marken-
zeichen. Der berühmte Schüler des Portätfotografen Hugo Erfurth wurde spät wiederentdeckt und zählt
zu den Wegbereitern der Fotografie im Deutschland der 30er-Jahre. Heges Neubewertung stand lange im
Schatten seiner Fotografen-Tatigkeit für Albert Speer im Nationalsozialismus. Kritisch gewürdigt wurden
seine Werke zu den Serien ‚Fauna und Flora’ sowie ‚Gärten und Veduten’.
Es handelt sich hierbei um ein Konvolut von Werken, das aus dem Gerlach-Archiv stammt, dessen Bestände
in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgelöst wurden. Der Qualität nach sind diese Fotografien Baryt-
abzüge - vintage press prints aus der Zeit um 1924 und 1925 - einige datiert um das Jahr 1930. Ihr Urheber
gehört damit in eine Reihe bedeutender Naturfotografen. Wenige kennen diese Werke - eine Welt en
miniatur, die einen Zauber an Schönheit entfaltet. Fauna & Flora hieß eine erste Ausstellung im Jahr
2005. Mit Gärten & Veduten folgte im Jahr 2006 die zweite Ausstellung.
Wie aber bringen wir Architektur und Pflanzen zusammen? Was hat eine Libelle, die auf einer Tannennadel
ausruht, mit der Architektur der Akropolis gemein? Walter Hege übernahm während seiner Lehrjahre
zwischen 1918 und 1921 von Hugo Erfurth die staunende Konzentration auf das Wesentliche. Was aber ist
das Wesen einer Sache? Ein Credo übernahm Hege jedenfalls vom Meister: Einfachheit - Form muß idealisiert
werden! Inszenierung war die Folge. Was haben eine Tanne im Raureif, die Küchenschelle mit dem Apollon-
Tempel gemein? Heges Lichtführung läßt Bauten wie Pflanzen innerlich strahlen.
Heges spürbare Sehnsucht in den Architektur-Aufnahmen nach apollinischer Klassik, dem strengen Formstil
der Antike, die Suche nach dem Erhabenen und seiner modernen Strahlkraft, nach futuristischer Heroik
und auch Pathos war da. So suchte er in den Stein-Skulpturen der Dome das Lebendige. Bereits als Kind
hatte er beim Anblick der Stifterfiguren im Naumburger Dom eine Art Schlüsselerlebnis, das auf sein
späteres Künstlerschaffen wirkte. Mit suggestiver Bildsprache, die filmisch angelegt ist, gelingt es ihm,
Figuren zu erwecken.
Neue Sachlichkeit und Expressionismus mischen sich bei Hege zu neuem Stil. Seine Pflanzen-Studien sind
Meisterwerke einer stillen Mikrowelt - konzentriert, weniger ornamental als Blossfeld, Ehrhardt, Kühn oder
List, eher postromantisch. Der mit seinem Spätwerk kaum beachtete Fotograf starb 1955 in Weimar während
einer Rede zur Ausstellung, die seinem Lebenswerk gewidmet war.