Elsa Thiemann

Ihre Bilder sind uns ein Rätsel. Elsa Thiemann spielt
in ihren Fotografien bewusst mit der Perspektive.
So verfremdet sie etwa Früchte, Blütenstängel oder
auch einfache Alltags-Objekte. Anfangs kreiert sie
Rätselbilder für Zeitschriften. Dabei reduziert sie den
Bildausschnitt und betont so die Oberflächenstruktur
des Motivs. Die Bauhaus-Schülerin wird in ihrem
künstlerischen Schaffen stark von Zeitströmungen
wie der Neuen Sachlichkeit und dem Neuen Sehen
beeinflusst.

Vor allem ihre Detailstudien überzeugen durch kühne
Komposition. Profane Objekte wie Kekse, Rotkohl
oder ein Stapel Holz wirken plötzlich fremd. Auch
sonst ist in Elsa Thiemanns Fotografien immer eine
gewisse Distanz zwischen ihrer Person und dem
gewählten Motiv zu spüren. Das betrifft sowohl die
Berliner Milieu-studien, als auch ihre Reklamefoto-
grafie. Bei den Abbildungen von Handwerkskünstlern
liegt der Fokus nicht auf der Beziehung zwischen
Fotografin und Motiv. Der Künstler und sein Werk
sollen betrachtet werden.

Elsa Thiemann arbeitet zunächst mit Fotogrammen,
bevor sie sich verstärkt der Portraitfotografie widmet.
Vor der Kamera steht oft Hans Thiemann oder auch
sie selbst. Unbestritten ist wohl der Einfluss ihres
Bauhaus-Lehrers Walter Peterhans auf ihren Werde-
gang. Von ihm lernt sie alle Grundlagen der Foto-
grafie, der Fotoentwicklung und der Bildkomposition.
Während viele Bauhaus-Künstler heute weltweit
geschätzt sind, blieb Elsa Thiemanns Werk bisher
noch relativ unentdeckt.

Geboren am 7. Februar 1910 in West-preussen,
wächst Elsa Thiemann als Tochter einer bürgerlichen
Familie auf. 1921 ziehen sie nach Berlin-Neukölln,
wo Elsa Thiemann das Städtische Lyzeum II besucht.
Dort ist sie fasziniert von der künstlerischen Arbeit
ihrer Zeichenlehrerin Margarete Kubicka und ist sich
sicher: auch sie möchte später den Künstlerberuf
ausüben. So besucht sie die Kunstgewerbe- und
Handwerksschule
in Berlin-Charlottenburg und im
Anschluss die Staatsschule für Freie und Angewandte
Kunst
. Von 1929 bis 1931 studiert sie am Bauhaus
Dessau. Zu ihren Lehrern zählen Josef Albers, Joost
Schmidt und Walter Peterhans. Sie nimmt außerdem
an den Malstunden von Wassily Kandinsky und Paul
Klee teil.

1930 lernt sie ihren Ehemann Hans Thiemann kennen,
der am Bauhaus Malerei studiert. 1931 erhält sie
ihr Diplom und zieht zurück nach Berlin. Dort arbeitet
Elsa Thiemann zunächst als freie Fotojournalistin
für die Feuilletonseiten von Zeitungen. 1944 nimmt
sie die Position als Redaktionssekretärin beim Verlag
Hoffmann und Campe an. Zwei Jahre später heiratet
sie Hans Thiemann. Sie ziehen 1960 gemeinsam nach
Hamburg, da ihrem Mann an der Hochschule für
Bildende Künste
eine Stelle als Professor angeboten
wird. Mit dem Umzug legt Elsa Thiemann auch ihren
Beruf als Fotografin nieder. Im November 1981 verstirbt
sie in Hamburg.

Fotografin am Bauhaus

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